Donnerstag, 04. März 2010 um 15:40 Uhr

Der World Future Energy Summit (WFES 10) ist auf dem Weg, sich zum weltweit größten Kongress für Erneuerbare Energien zu mausern. Politiker und Unternehmen aus mehr als 100 Ländern kamen nach Abu Dhabi, um neue Konzepte zu diskutieren. Aber auch das Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen sorgte für Gesprächsstoff.
Spitzenpolitiker wie Recep Tayyip Erdogan, Prime Minister of Turkey, betonten bei der Eröffnungszeremonie vor mehr als 3.000 Teilnehmern, “dass die Regierungschefs und CEOs der größten Unternehmen den World Future Energy Summit als eine einflussreiche Plattform sehen, um praktische und nachhaltige Lösungen für die heutige Energiesicherheit, die Umwelt und die Klimaherausforderungen zu finden." Neben der Türkei waren auch viele andere Länder mit Delegationen vor Ort, um Gespräche mit den Ölscheichs zu führen und Türen für die heimische Wirtschaft zu öffnen. Im Mittelpunkt der viertägigen Diskussionen stand die Frage, wie es nach dem gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen weiter gehen soll.
Handeln statt Reden
Das Emirat Abu Dhabi setzt seinen Anspruch, einer der weltweit führenden Staaten im Bereich Erneuerbare Energien zu werden, stetig um. So entwickelt sich der WFES10, der in diesem Januar zum dritten Mal stattfand, zu einem der weltweit wichtigsten Treffpunkte für Politik, Forschung und Wirtschaft. Anders als die Politiker in Kopenhagen wollen die Ölstaaten des mittleren Ostens in den nächsten Jahren mehr mit Taten für den Klimaschutz glänzen als durch sinnloses Reden. Aus ihrer Sicht gibt es außerdem klare Gründe, warum der Klimagipfel in Koppenhagen gescheitert ist. „Man hat versucht, die Gas- und Ölhersteller als Bösewichte darzustellen“, erklärte Abdullah al Attiyah, Katars Energieminister and Deputy Premier. So werde Öl seiner Meinung nach als Energieversorger nicht verschwinden. Erneuerbare Energien seien eine sinnvolle Ergänzung zu Öl und Gas aber kein Ersatz. Allerdings müsse der zunehmende Verbrauch von Öl für Transportleistungen und Wärmeherstellung gestoppt werden. Mit seiner Meinung stand al Attiyah einer Vielzahl von Rednern gegenüber, die den sofortigen Ausstieg von Investoren und Politikern aus fossilen Brennstoffen forderten. Allen voran Mohammed Nasheed, Ministerpräsident der Malediven, der betonte, dass der Zuwachs des Co²-Ausstoßes bis 2015 gestoppt werden müsse, da es ansonsten bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad zur weltweiten Überschwemmungskatastrophe käme. Eine Gruppe von Rednern bezweifelte, dass dies heute überhaupt noch zu verhindern sei. Mohammed al Hamli, Energieminister der VAE, meint, dass die weltweite Nachfrage nach Energie derzeit so schnell steige, dass alle Energieformen gebraucht würden. Dazu gehören neben den fossilen Brennstoffen auch erneuerbare Energien sowie Kernkraft. So habe Abu Dhabi im Dezember 2009 ein Vertrag über 20 Milliarden US$ mit einer koreanischen Firmengruppe abgeschlossen, um ein eigenes Kernkraftwerk zu bauen.
Wie sich diese Position mit der Ansiedlung der neu gegründeten Erneuerbaren Energieagentur IRENA deckt, blieb auch auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der 3. Vorbereitungskonferenz von IRENA, unbeantwortet. Dennoch ist für Helene Pelosse, die neue Interimschefin, „die Ansiedlung von IRENA in einem Öl produzierenden Land eine weltweite Botschaft, die in Verbindung mit den Masdar-Aktivitäten den Grundstein für Taten liefert“. Ende des Jahres will IRENA rund 60 Mitarbeiter in Abu Dhabi beschäftigen, während 13 im Büro für Informationstechnologie im deutschen Bonn angesiedelt werden sollen. Der verfügbare Jahresetat für 2010 beträgt 13,6 Millionen US$. Hinzu kommen noch einmal 50 Millionen US$, die das Emirat Abu Dhabi IRENA jährlich zur Verfügung stellt.
Obwohl es in der Region bislang keine entwickelten Märkte für erneuerbare Energien gibt, hat das Interesse an der Kongressbegleitenden Messe weiter zugenommen. Rund 600 Aussteller zeigten auf dem inzwischen fertig gestellten Messegelände ihre Neuheiten rund um die erneuerbaren Energien - darunter alleine 160 der wichtigsten Solarstromunternehmen weltweit. Viele der Unternehmen nutzen große Länderpavillons für ihre Präsentationen. „Wir wollen frühzeitig Flagge zeigen, bevor der Markt losgeht“, erklärt Estrella Jara Galán, verantwortlich für Marketing und Strategie bei der spanischen Solaria. Mehr als 20.000 Besucher nutzen die Möglichkeiten, sich über alternative Techniken und Projekte zu informieren.
Masdar als treibende Kraft
Publikumsmagnet auf der Messe war der Stand von Masdar, was auf Arabisch „die Quelle“ bedeutet. Das Unternehmen Masdar, welches eine hundertprozentige Tochter des Staatsfonds Mubadala ist, hat vier Geschäftsfelder. Es ist zum einen Bauherr der gleichnamigen weltweit ersten CO²-freien Stadt am Flughafen von Abu Dhabi. Zum anderen investiert Masdar Power weltweit in Unternehmen, die in erneuerbaren Energien tätig sind. Zu diesem Bereich gehört auch die eigene Tochter Masdar PV, die bislang eine Dünnschicht-Modulproduktion in Thüringen betreibt. Dritter Schwerpunkt ist Masdar Carbon. Hierunter fallen Projekte, die an der Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid arbeiteten. Auch die neu gegründete EMIC, ein Joint Venture zwischen dem deutschen Stromriesen E.ON und Masdar, wird hier angesiedelt. EMIC (E.ON Masdar Integrated Carbon) soll Lösungen entwickeln, die den Ausstoß von CO2 bei Kraftwerken und Industrieanlagen deutlich reduzieren. Das vierte Standbein liegt im Bereich der Forschung. Über das MIST (Masdar Institute of Science and Technology), eine Kooperation mit dem Massachusetts Institut of Technologie, soll die weltweit größte Datenbank von Wissen im Bereich Erneuerbare Energien aufgebaut werden. Hierzu wurde eine eigene Universität gegründet. Insgesamt verfügt die Masdar-Initiative seitens des Emirats über ein Budget von 15 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen rund 22 Milliarden für den Bau der CO² freien Stadt Masdar-City, wovon aber nur 3,8 Milliarden aus staatlichen Mitteln stammen. Der Rest soll über Investoren und die Finanzmärkte beschafft werden.
Allerdings ist etwas Sand ist in das Getriebe beim Bau von Masdar-City gekommen. Die für 50.000 Bewohner ausgelegte Zukunftsretorte soll nach neusten Zeitplänen frühestens 2020 fertig gestellt sein. Mit dem MIST wird in den nächsten Wochen das erste Gebäude bezugsbereit sein. Rund einhundert Studenten, die bereits im September letzten Jahres ihr Studium aufgenommen haben, dürfen dann den Campus beziehen. Hinter dem Zeitplan liegt auch das Hauptquartier von Masdar, in dem IRENA Mieter sein wird. Auch Masdar hat nach Aussagen von Khaled Awad, Direktor für die Stadtentwicklung von Masdar, die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise zu spüren bekommen.