Donnerstag, 04. März 2010 um 15:45 Uhr

Der belgische Solarmarkt boomt. Dies wurde auf der Messe Intersolution in Gent deutlich, die vom 14. bis 16.Januar stattfand. Insbesondere die derzeit gute Förderung verspricht Investoren in Belgien attraktive Renditen. Wohin Besucher der belgischen Photovoltaikmesse Intersolution auch blickten, überall sahen sie zufrieden Gesichter. Nach einem erfolgreichen Jahr 2009 rechnen Kenner der belgischen Photovoltaikbranche mit einer Fortsetzung des Booms. Und das,obwohl in Belgien zu Beginn des Jahres die Solarförderung gekürzt wurde.
„Für uns war 2009 ein absolut erfolgreiches Jahr“, so Samuel Schouppe, Operations Manager des belgischen Großhändlers Biosolar. „Diesen Winter bot sich in Belgien ein seltenes Bild. Obwohl es schneite, waren auf den Dächern Installateure zu finden, die, trotz Schneefalls, Photovoltaikanlagen installierten. So vollgepackt waren und sind deren Auftragsbücher.“ Module mit einer Kapazität von 5 MW habe sein Unternehmen 2009 verkauft. „Diese Ergebnis werden wir 2010 locker überbieten“, gibt sich der Operations Manager zuversichtlich. Die meisten dieser Module seien für Aufdachanlagen verwendet worden. Ebenfalls zufrieden mit dem Geschäft in Belgien ist Stijn De Witte, Project Engineer des slowenischen Modulherstellers Bisol. „Wir haben erst im Oktober im belgischen Leuven ein Büro mit zwei Mitarbeitern eröffnet. So sind wir näher am hiesigen Markt.“ Insgesamt habe Bisol in Belgien Module mit einer Kapazität von mehr als 10 MW verkauft. „Und es ist zu erwarten, dass es 2010 mehr werden“, gibt sich De Witte zuversichtlich. „Wir beobachten, dass immer mehr große Anlagen auf Industriedächern installiert werden. In diesem Bereich wollen wir uns verstärkt engagieren.“
Freiflächenanlagen schwierig zu realisieren
Überhaupt sei Belgien eher ein Land für Aufdachanlagen als für Großanlagen auf Freiflächen. „Wir sind ein kleines Land und relativ dicht besiedelt, daher ist es schwer, eine Lizenz für den Bau einer Großanlage zu erhalten. Eine Lizenz für Aufdachanlagen ist dagegen leicht zu bekommen. Belgien ist ganz klar ein roof-top-country“, sagt Marco Iacovella, Sales Manager Belgium des Projektierers Scheuten Solar Belgium. „Wir sind ebenfalls mit unserem Ergebnis zufrieden.“ 40 % Prozent der Module habe Scheuten in private Aufdachanlagen verbaut, während es fast 60 % auf Industriedächern installierte. „Und dann gibt es noch die 2,7 MW Großanlage, die wir für Greenfever in Veurne realisiert haben. Eines der wenigen Beispiele für Großanlagen in Belgien“, ergänzt Ad Verbaas, Director Project Realization bei Scheuten Solar Belgium.
Kapazitätsgrenzen erreicht
Auch Wechselrichter sind derzeit heiß begehrte Mangelware. „Wir haben keine Inverter mehr“, so Tom Damman, General Manager des belgischen Großhändlers und Installateurs WT Solar und zweiter Vorsitzender des Photovoltaikverbandes Bel PV. „So hatten viele Anlagenbesitzer Ende letzten Jahres ein großes Problem. Zwar war eine fertig Anlage auf ihren Dach installiert, aber leider ohne den nötigen Wechselrichter, weil diese ausverkauft waren.“ Das habe zu vielen Protesten geführt, weil die Besitzer für ihren Strom nicht mehr die Fördertarife aus dem Jahr 2009 gelten machen konnten. Anfang 2010 verringerte sich in Belgien die Förderung von Solarstrom. Vor allem in Flandern, wo die meisten Projekte realisiert werden, war die Entrüstung groß. “So groß, dass die Regierung Flanderns einlenkte. So haatten Besitzer, die bis Ende 2009 ihre Anlage installierten, bis zum 28. Februar Zeit, einen Inverter in ihre Anlage einzubauen. Gelang es ihnen, kamen sie noch in den Genuss des alten Fördertarifs“, erklärt Damman.
Jens Krug, Director Sales von SMA Solar Technology, bestätigt den Engpass bei Wechselrichtern. „Wir liefern, aber alle Nachfragen können wir derzeit nicht befriedigen. Der belgische Markt ist attraktiv und das nachhaltig. Deshalb haben wir letztes Jahr hier eine Niederlassung gegründet.“ Er schätzt die 2009 in Belgien installierten Kapazitäten auf 220 MW. „Und dabei haben wir einen ordentlichen Marktanteil.“ Ähnlich sieht es bei dem Wechselrichterhersteller Fronius aus. „Wir haben Wechselrichter mit einer Kapazität von 50 MW verkauft. Wir könnten aber viel mehr in Belgien verkaufen. Zum Glück erweitern wir dieses Jahr unsere Produktionskapazität von 750 auf 1500 MW“, so Hans Pelzer, Area Sales Manager North/Central Europe von Fronius. Er schätz, dass in Belgien letztes Jahr 200 MW an Photovoltaikanlagen installiert wurden.
Attraktives Flandern
In Flandern besteht schon seit 2006 ein Fördergesetz. Demnach erhielten Besitzer von PV Anlagen bis Ende 2009 45 ct/kWh über einen Zeitraum von 20 Jahren basierend auf grünen Zertifikaten. Seit Januar 2010 sind es noch 35 Eurocent je kW/h. „Dennoch bleibt Flandern die attraktivste Region Belgiens mit den am meisten errichteten Anlagen. Die Absenkung des Fördersatzes wird niemanden davon abbringen, in Zukunft in Flandern zu installieren“, so Stijn De Witte. In Wallonien erhielten Anlagenbesitzer bis Ende 2009 einen einmaligen Zuschuss von 20 % der Kosten der PV-Anlage. Diesen Zuschuss schaffte die Regierung mit dem Beginn 2010 ab. Weiterhin vergibt die Wallonische Kommission für Energie (CWaPE) grüne Zertifikate für die Produktion von Strom aus zertifizierten Anlagen, die nicht größer als 10 kW sein dürfen. Diese Vergabe ist gestaffelt. Eine Anlage mit einer Leistung ab 5 kW erhält pro MWh sieben Zertifikate. Anlagen mit einer Leistung von 5 bis 10 kW erhalten pro MWh fünf Zertifikate. Liegt die Leistung der Anlage zwischen 10 und 250 kW ist die MWh vier Zertifikate wert und bei Anlagen mit einer Leistung ab 250 kW springt immerhin noch ein Zertifikat raus. Diese sind frei handelbar, haben aber einen Mindestwert von 65 €.
Während die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Kürzungen der Tarife den Boom nicht beeinträchtigen, gibt es vereinzelt zurückhaltendere Stimmen. „Es ist ja nicht nur die Kürzung“, so Wim D’Hooghe, Sales Manager Benelux von Aleo Solar. „Seit Anfang des Jahres muss das Dach eines privaten Haushalts in Flandern nach dem neusten Stand der Technik isoliert sein, bevor der Besitzer eine PV-Anlage installiert. Ansonsten erhält er keine Förderung. Diese zusätzliche Investition könnten den eine oder anderen abschrecken, der mit dem Gedanken spielt, eine Anlage zu kaufen.“
Derzeit liegen noch keine offiziellen Zahlen zu den installierten Kapazitäten in Belgien vor und es kann auch noch dauern, bis sie vorliegen. „Es ist möglich, dass die zwischen 1. Januar und 28. Februar in Flandern ans Netz angeschlossene Anlagen, die aber noch den Fördersatz aus dem letzten Jahr erhalten sollen, auf 2009 angerechnet werden“, so Hans Pelzer. Egal wie man es wendet, 2009 war auf jeden Fall ein gutes Jahr für den Solarmarkt des Landes und einem erfolgreichen 2010 scheint auch kein Hindernis im Weg zu stehen. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Politiker des Landes aus Kostengründen nicht bald die Notbremse ziehen und die Fördertarife drastischer als vorgesehen reduzieren.